Jahresrückblick 2016

2016. Sie atmet ein.

Ein Jahr voller Egoismus und voller Ängste. Ein Jahr voller Angst. Und Schrecken. So viel Schrecken. Ein Jahr, in dem sie die Luft angehalten hat. Der Sturm vor dem Sturm. Frieden? Nicht wirklich.
Ein Jahr, in dem wir ihn zu oft begraben haben.

2016.

Ein Jahr voller Zweifel und voller Irrationalität. Ein Jahr voller Angst. Davor, was Fanatismus auslösen kann. Davor, was Rechtsradikalität auslösen kann. Und davor, was passiert, wenn beides aufeinander trifft.
Ein Jahr, in dem das zu oft passiert ist.

2016. Sie atmet aus.

Ein Jahr voller Armut und voller Kargheit. Ein Jahr voller Angst. Davor, was passiert, wenn Menschen aufhören, menschlich zu sein. Wenn sie sich selbst verlieren in ihrer Angst und den Grund dafür im Falschen suchen. In anderen Menschen.
Ein Jahr, in dem wir die Schuldigen zu oft in Unschuldigen gesucht haben.

* * *

2016. Sie atmet ein.

Ein Jahr voller Freude und voller Aufopferung. Ein Jahr voller Liebe. Und Güte. So viel Güte. Ein Jahr, in dem sie die Luft angehalten kann. Gänsehaut im Sommer. Dankbarkeit? So sehr, dass sie manchmal weinen muss.
Ein Jahr, in dem sie oft dankbar sein konnte.

2016.

Ein Jahr voller Lachen und voller Überschwänglichkeit. Ein Jahr voller Liebe. Für die Menschen, die alles für sie geben – und sogar noch ein bisschen mehr. Für die Menschen, die immer da sind – selbst dann, wenn sie lieber alleine sein möchte. Für die Menschen, die sie in den Arm nehmen, auch wenn sie es nicht verdient hat.
Ein Jahr, in dem das so oft passiert ist.

2016. Sie atmet aus.

Ein Jahr voller Reichtum und Glück. Ein Jahr voller Liebe. Dann, wenn sie alle zusammen sitzen und eigentlich gar nichts Besonderes passiert, sie sich über den Film, den sie ansehen wollen, streiten. Dann, wenn sie ungeschminkt und mit tiefen Augenringen vor ihm sitzt, verheult, und er sie ansieht, als wäre sie der einzige Mensch auf dieser Welt. Dann, wenn sie zusammen lachen. Und auch dann, wenn sie zusammen weinen.
Ein Jahr, in dem sie beides oft getan haben.

* * *

2016. Sie sieht zurück.

Ihr eigenes Jahr war so erfüllt. Und sie weiss nicht, wie sie nun diesen Rückblick verfassen soll, wenn Liebe und Hass sich in einem Jahr die Hand geben. Wenn Menschen einander so Grosses antun, wenn sie einander die Menschen nehmen, die sie umarmen, auch wenn sie es nicht verdient haben. Ein Jahr, in dem Menschen so viel Güte gezeigt haben, dass es dafür keine Worte gibt. An Orten, an denen es keinen Frieden gibt und die zu dunkel erscheinen.

2016. Ein Jahr, das nun vorbeigeht. Es ist gut so. Und schlecht.

“Es ist wie es ist”, denkt sie. “Und es sollte nicht so bleiben.”

Und darum wünsche ich uns allen gesegnete Festtage im Kreise unserer Liebsten. Ein Licht im Dunklen und ein bisschen Farbe an grauen Tagen. Aber vor allem wünsche ich uns, dass wir ein bisschen besser hinschauen. Dass wir bei Entscheidungen als erstes an uns denken – aber nicht nur an uns. Dass wir das Leben schätzen – unser eigenes, aber auch das von anderen. Ich wünsche uns, dass wir einander an den Händen halten, wenn wir es brauchen.
Ein bisschen Frieden. Und Güte.

2017. Gib uns ein bisschen Kraft.

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